top of page

Der Teufel Tarot Bedeutung umgekehrt

the world_edited.jpg

Botschaften:


  • Befreiung

  • Verborgene Bindung

  • Verleugnung

  • Loslösung

  • Sucht

  • Schädliche Beziehung

  • Zurückgewonnene Macht

  • Scham

  • Materialismus

  • Kontrolle

  • Blick auf den Schatten

  • Zwang

  • Ablösung

  • Heimliches Verhalten

  • Gelockerte Ketten

Zwei Ketten, die zu weit sind

Miss die Ketten mit den Augen, bevor du Der Teufel umgekehrt deutest. Sie hängen locker um die Hälse von zwei Menschen, und die Schlingen sind sichtbar weiter als ihre Köpfe. Beide könnten sie ohne Hilfe abstreifen. Über ihnen hockt eine gehörnte Gestalt mit Fledermausflügeln auf einem halben Würfel aus schwarzem Stein. Sie hat den Kopf einer Ziege, den Rumpf eines Mannes und die Füße eines Vogels. Auf ihrer Stirn sitzt ein umgekehrtes Pentagramm. Ihre rechte Hand ist erhoben in einer Geste, die einen Segen nachahmt, ihre linke hält eine brennende Fackel nach unten. Mann und Frau stehen nackt, und beiden sind kleine Hörner und Schwänze gewachsen. Sein Schwanz endet in einer Flamme, ihrer in einer Traube.
Die Gestalt selbst ist jünger als der Tarot. Éliphas Lévi zeichnete den Baphomet 1856, und Smith übernahm ihn. Im Tarot de Marseille steht der Teufel auf einem Sockel, und die zwei kleineren Dämonen daneben sind ebenfalls angekettet. Bei Der Teufel umgekehrt sinkt die gehörnte Gestalt unter die beiden Menschen, sodass das Herrschende nun darunter liegt. Die Fackel dreht sich nach oben und beginnt zu leuchten statt zu brennen. Das Pentagramm richtet sich auf. Und die ohnehin lockeren Ketten rutschen weiter. Achte auf den halben Würfel darunter: Ein Würfel ist der Körper der Vier, also der Struktur, und du siehst nur die Hälfte. Der Rest liegt außerhalb des Bildes, und genau so viel entzieht sich bei Der Teufel umgekehrt auch deiner Betrachtung. Achte zuletzt auf die beiden Schwänze. Seiner endet in einer Flamme, ihrer in einer Traube. Feuer und Frucht, also Verlangen und Genuss, und beide sind an sich nichts Schlechtes. Erst die Kette macht daraus eine Bindung, und die Kette hat niemand angelegt außer den beiden selbst.

Die Kette fällt dir auf

Die hoffnungsvollere Lesart ist eine beginnende Lösung. Etwas hat bei dir länger gehalten als beabsichtigt, und der Griff lockert sich. Selten geschieht das als Ausbruch. Meist geschieht es als Wahrnehmungswechsel vor jeder Verhaltensänderung: Du ertappst dich mitten im Muster und siehst es zum ersten Mal deutlich. Behoben ist damit nichts. Trotzdem ist etwas Wesentliches passiert, denn die aufrechte Karte lebt davon, dass die Ketten unsichtbar bleiben.
Deshalb erscheint diese Karte oft am Anfang einer Veränderung und nicht an ihrem Ende. Rechne mit der nächsten Stufe: Zwischen dem Erkennen eines Musters und seinem Aufhören liegt ein erheblicher Abstand. Viele werden an dieser Stelle ungeduldig mit sich, weil sie etwas weiterhin tun, das sie vollständig durchschauen. Verstehen ist nicht der Mechanismus der Veränderung. Es ist ihre Voraussetzung, und wer das verwechselt, hält seinen normalen Verlauf für ein persönliches Versagen. Wirksam ist an dieser Stelle etwas anderes: Benenn die Sache einmal laut, gegenüber einer Person. Diese Position wird vor allem durch Verschwiegenheit gehalten, und sie verliert einen erstaunlichen Teil ihrer Kraft, sobald ein zweiter Mensch davon weiß. Du brauchst dafür keinen Rat und keine Zustimmung. Du brauchst nur, dass es einmal ausgesprochen wurde. Rechne außerdem mit einem Rückschlag, der zur Sache gehört. Nach der ersten klaren Sicht folgt meist eine Woche, in der du dein Muster besonders stark lebst. Das ist kein Beweis dafür, dass du dich getäuscht hast. Es ist die Reaktion einer Anordnung, die gerade bemerkt wurde und deshalb lauter arbeitet als sonst.

Die Bindung, die du noch verteidigst

Die zweite Seite ist schwerer. Sie beschreibt eine Bindung, die sich nicht gelockert, sondern verlagert hat. Dein Verhalten läuft weiter, und deine Darstellung davon wurde überarbeitet. Das Trinken ist gesellig. Die Beziehung ist kompliziert statt schädlich. Das Ausgeben ist eine Belohnung für eine schwierige Zeit, die sich immer weiter verlängert. Kennzeichnend ist dabei nicht das Verhalten, sondern der Aufwand für seine Begründung, und dieser Aufwand ist meist beträchtlich.
Niemand baut eine sorgfältige Rechtfertigung für etwas, mit dem er im Reinen ist. Genau das ist deine Probe. Ebenso gehören Bindungen hierher, die keine Süchte im üblichen Sinn sind: eine Arbeitsbeziehung, die dich kleiner macht, eine Freundschaft rein aus Gewohnheit, ein Groll, der zu deiner Selbstbeschreibung geworden ist. Alle teilen dieselbe Bauweise, nämlich eine Kette, die niemand hält. Die brauchbare Frage lautet nicht, warum du nicht gehst. Sie lautet, was die Sache dir liefert, denn geliefert wird immer etwas Echtes. Entlastung von einem bestimmten Druck. Ein zuverlässiges Ende des Abends. Eine verlässliche Rolle. Was du nicht benennen kannst, kannst du auch nicht ersetzen, und ohne Ersatz kehrt das Muster zurück, sobald dein Vorsatz nachlässt. Prüf zusätzlich, wie viele Menschen die volle Fassung kennen. Meist ist es niemand, und häufig kennen mehrere Personen je ein Stück, ohne das Ganze zu sehen. Diese Aufteilung ist kein Zufall. Sie ist die Arbeit, die deine Position leistet, um bestehen zu bleiben, und sie kostet dich mehr Aufmerksamkeit als das Verhalten selbst.

Fünfzehn und die Sechs darunter

Der Teufel trägt die Fünfzehn, und die Reduktion sagt mehr als die Zahl selbst. Fünfzehn ergibt Sechs, die Zahl der Liebenden, und beide Karten sind aus derselben Anordnung gebaut: ein nackter Mann, eine nackte Frau, darüber eine geflügelte Gestalt. Bei den Liebenden ist es ein Engel und das Paar ist ungebunden. Hier ist die Gestalt gehörnt und beide sind an einen Würfel gekettet. Dieses Echo ist die eigentliche Lehre. Jede deiner Bindungen liegt irgendwo auf der Linie zwischen diesen beiden Bildern, und der Unterschied ist nicht die Intensität. Er besteht darin, ob du die Verbindung neu wählst oder bloß fortsetzt.
Als Buchstabe gehört Ajin zu dieser Karte, das Auge, auf dem Pfad zwischen Tiferet und Hod. Ein Auge sieht und wird gesehen, und beides gehört hierher: Was hier gilt, gilt so lange, wie du es nicht ansiehst. Umgekehrt meldet sich die zugrunde liegende Sechs zurück, weshalb diese Position so oft mit der Rückkehr der Wahl einhergeht. Eine zweite Lesart ist weniger erfreulich. Manche lösen eine Bindung und bilden umgehend eine gleichartige mit anderen Einzelheiten, weil die Sechs nie wirklich wiederhergestellt wurde. Prüf deshalb nach einer Trennung, ob du gerade wählst oder ob du nur den Gegenstand gewechselt hast. Die Form verrät dir das schneller als der Inhalt. Beachte auch, wie die beiden Karten im Deck auseinanderliegen. Zwischen den Liebenden und dem Teufel stehen neun Karten, also fast die halbe Große Arkana. Eine Bindung wird nicht über Nacht zur Fessel. Sie wandert langsam über diese Strecke, und an keinem einzelnen Tag lässt sich sagen, dass sie gekippt sei.

Steinbock, Saturn und das Gewicht des Stofflichen

Zugeordnet sind der Steinbock und sein Herrscher Saturn, dazu das Element Erde. Das ist die geerdetste Zuordnung des ganzen Decks. Saturn regiert Begrenzung, Struktur, Zeit und Folge. Er macht Dinge wirklich, indem er ihnen Grenzen gibt, und daran ist nichts Übernatürliches. Der Steinbock steht für Ehrgeiz, Ausdauer und stoffliche Errungenschaft. Gemeinsam erklären sie, warum es in dieser Karte nicht um das Böse in einem interessanten Sinn geht.
Es geht um die materielle Welt und darum, was geschieht, wenn dein Verhältnis zu ihr kippt und dein Besitz beginnt, dich zu besitzen. Beachte in diesem Zusammenhang, dass die Gestalt auf einem halben Würfel sitzt und nicht auf einem ganzen. Ein halber Würfel ist eine Struktur, deren Fundament du nicht siehst, und genau das beschreibt jede Anordnung dieser Art. Du kennst den oberen Teil, du benutzt ihn täglich, und der untere liegt außerhalb deines Blicks. Deshalb reagieren diese Lagen so schlecht auf Vorsätze und so gut auf veränderte Umstände. Vorsätze wirken auf den sichtbaren Teil. Umstände wirken auf den ganzen Würfel, auch auf die Hälfte, die du nicht kennst. Praktisch heißt das etwas über deinen Zeitrahmen. Erde bewegt sich in Jahreszeiten, nicht in Wochen. Wenn du unter dieser Karte innerhalb von zehn Tagen eine Veränderung erwartest, wirst du enttäuscht und nimmst diese Enttäuschung als Beleg dafür, dass es bei dir nicht geht. Setz von vornherein ein Vierteljahr an.

Saturns Fesseln überleben ihren Grund

Saturns Schatten ist eine Begrenzung, die ihren Grund überlebt hat. Saturn errichtet Strukturen, um Dinge wirklich zu machen, und umgekehrt binden diese Strukturen weiter, nachdem die Bedingungen vergangen sind, die sie einmal verlangten. Du erkennst das an Regeln, die du befolgst, ohne ihren Anlass noch benennen zu können, und an Vorsicht, die zu einer Gefahr gehört, die es seit Jahren nicht mehr gibt.
Der Steinbock fügt eine eigene Fehlform hinzu: Leistung als Identität. Dein Status und dein Besitz werden zum Maß deiner Person statt zum Ergebnis deiner Arbeit, und ab diesem Punkt fühlt sich jeder Verlust wie eine Aussage über dich an. Erde sorgt dafür, dass sich daran nichts schnell ändert. Solche Anordnungen sind häufig jahrzehntealt und wurden von niemandem hinterfragt, auch nicht von dir. Saturns Redlichkeit ist hier dein Trost. Er zeigt dir die tatsächliche Form der Fessel, und die ist in dieser Karte locker, unbewacht und ausschließlich von innen gehalten. Das ist keine schmeichelhafte Auskunft, und sie ist die einzige, mit der sich etwas anfangen lässt, denn eine Fessel, die niemand hält, brauchst du von niemandem gelöst zu bekommen. Frag dich außerdem, wann diese Regel entstanden ist. Nicht, ob sie sinnvoll ist, sondern wann. Die meisten können ein ungefähres Jahr nennen, und häufig liegt es mehr als ein Jahrzehnt zurück. Damit hast du in einem Satz gemessen, wie weit deine Vorsicht von ihrem Anlass abgerückt ist.

1
8
3
6
5 euro
7
9

Zwei Menschen, die gehen könnten

Alles an dieser Karte hängt an einer Beobachtung, die kaum jemand macht. Die Ketten sind locker. Beide könnten sie abnehmen, ohne Hilfe, ohne Erlaubnis, und die gehörnte Gestalt könnte es nicht verhindern. Niemand wird hier festgehalten. Es wird geblieben. Die Figur darüber hat keine Macht außer der, die ihr die Anordnung verleiht. Beachte außerdem, dass beiden Menschen kleine Hörner und Schwänze gewachsen sind. Sie beginnen dem zu ähneln, woran sie gekettet sind, und das leistet lange Bindung zuverlässig.
Umgekehrt lockern sich die Ketten weiter und werden bemerkt, und genau dort verlagert sich deine Schwierigkeit. Wer weiß, dass er gehen könnte, trifft mit dem Bleiben eine Wahl statt sich in einer Lage zu befinden. Das ist unbequem, und es erklärt, warum manche die Fassung vorziehen, in der sie gefangen sind. Gefangenschaft lässt sich anderen leichter erklären als Entscheidung. Weder die aufrechte noch die umgekehrte Karte bietet dir einen Schuldigen an. Sie bietet dir eine unschmeichelhafte und brauchbare Auskunft: Die Kette ist locker. Trägst du sie weiter, hast du gegenwärtig etwas davon, und dieses Etwas herauszufinden bringt dich weiter als jeder Selbstvorwurf, den du dir stattdessen machst. Beachte zuletzt, dass sie einander nicht ansehen. Mann und Frau stehen nebeneinander und blicken beide nach vorn. Wer gemeinsam gebunden ist, verliert leicht den Blick füreinander, und das gilt für Paare ebenso wie für alles andere, woran zwei Menschen zusammen hängen.

Eine Bedingung entfernen, nicht das Muster

Fang mit Beschreibung an statt mit Vorsatz. Schreib auf, worin dein Muster besteht, wann es auftritt und was es dir liefert. Die letzte Spalte ist die entscheidende, denn ein Verhalten ohne Funktion hätte längst von selbst aufgehört. Meist liefert es dir etwas Reales: Entlastung von einem bestimmten Druck, ein zuverlässiges Ende des Abends, eine verlässliche Rolle in einer Gruppe. Solange dieser Bedarf ungedeckt bleibt, verschwindet das Verhalten nicht, gleich wie entschlossen du bist.
Entfern danach eine einzelne Bedingung statt des ganzen Musters. Diese Karte reagiert auf veränderte Umstände weit besser als auf gestärkten Willen, denn Willen ist genau das, was sie aushöhlt. Nimm die Sache aus deiner Reichweite. Änder deinen Heimweg. Erzähl es einer Person. Rechne damit, dass sich die Lockerung zunächst schlechter anfühlt als vorher, weil die Anordnung etwas geleistet hat und du ihr Fehlen früher bemerkst als die Besserung. Setz dir außerdem ein Prüfdatum statt einer offenen Absicht. Sonst kannst du unter dieser Karte unbegrenzt planen, dich zu ändern, und dieses Planen fühlt sich fast so gut an wie eine Veränderung. Genau darin besteht seine Gefahr. Und such dir für die erste Woche etwas, das dir die Sache erschwert statt sie dir zu verbieten. Ein Umweg. Eine andere Uhrzeit. Eine Person, die weiß, dass du es versuchst. Diese Karte gibt selten dem Willen nach und regelmäßig der Reibung.

Kommentare

bottom of page