top of page

Die Kraft Tarot Bedeutung der Karte

the world_edited.jpg

Botschaften:


  • Innere Stärke

  • Mut

  • Geduld

  • Sanftmut

  • Selbstbeherrschung

  • Mitgefühl

  • Ausdauer

  • Gelassenheit

  • Vertrauen

  • Zähmung

  • Willenskraft

  • Standhaftigkeit

  • Heilung

  • Selbstakzeptanz

  • Ruhe

  • Lebenskraft

  • Beharrlichkeit

  • Anmut

  • Selbstvertrauen

  • Herzkraft

  • Überwindung

  • Reife

  • Milde

  • Klarheit

  • Balance

Man erwartet einen Kampf

Wer den Namen dieser Karte hört und dann das Bild sieht, wird zunächst überrascht. Es gibt einen Löwen, groß, mit vollem Fell und deutlich sichtbarer Muskulatur, doch es gibt keinen Kampf. Eine Frau in einem weißen Gewand beugt sich zu dem Tier hinunter und legt beide Hände an sein Maul, eine oben, eine unten, ohne zu ziehen und ohne zu drücken. Der Löwe senkt den Kopf, seine Zunge hängt heraus wie bei einem Tier, das gerade beruhigt wird, und dabei wirkt er keineswegs besiegt. Über dem Kopf der Frau schwebt eine liegende Acht. Um Hüfte und Schultern legt sich eine Kette aus Blumen, die eher wie Schmuck aussieht als wie eine Fessel. Der Hintergrund ist hell und weit, der Himmel klar, ein einzelner Hügel erhebt sich sanft im Bild. In ihrem Gesicht liegt keine Anstrengung, sondern eine freundliche Aufmerksamkeit, fast Zuneigung.

Dasselbe Zeichen wie beim Magier

Der Zugang zu dieser Karte führt über ein Detail, das sie mit einer früheren teilt. Über dem Kopf der Frau schwebt dieselbe liegende Acht, die auch beim Magier zu sehen war, und das ist ein bewusster Hinweis: Es handelt sich um dieselbe unerschöpfliche Kraft, nur wird sie hier ganz anders eingesetzt. Der Magier richtet sie nach außen, auf Werkzeuge und Ergebnisse, diese Karte richtet sie nach innen, auf das eigene Wesen. Der Löwe steht dabei für alles Ungezähmte im Menschen, für Wut, Verlangen, Angst und Stolz, also für jene Impulse, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Entscheidend ist, dass er nicht angekettet, nicht verletzt und nicht eingesperrt wird, denn diese Karte will das Tier nicht loswerden. Der Blumengürtel bringt dasselbe Prinzip in eine Form: ein Band, das hält, ohne einzuschnüren. Das weiße Gewand steht für eine Absicht ohne verstecktes Motiv, und die offene, ruhige Landschaft macht klar, dass hier keine Bedrohung im Spiel ist. Der Löwe selbst gilt zudem als Sonnenzeichen, was verrät, worum es eigentlich geht: Diese Lebenskraft soll nicht sterben, sondern verfügbar werden.

Leise ist nicht schwach

Kraft wird meist mit Durchsetzung verwechselt, doch Lautstärke entsteht in der Regel aus Unsicherheit. Wer seiner Sache wirklich sicher ist, muss sie nicht verteidigen. Diese Karte zeigt eine Stärke, die aus Ruhe kommt und gerade deshalb schwer zu erschüttern ist. In einem aufgeheizten Gespräch ist meist die ruhigste Stimme diejenige, der am Ende zugehört wird, weil sie als einzige nicht mitzieht. Jede Verschärfung lädt nämlich zur nächsten ein, und irgendwann geht es nicht mehr um die Sache, sondern ums Rechthaben. Sanftheit bedeutet dabei ausdrücklich nicht, Konflikte zu vermeiden, denn die Frau auf der Karte weicht dem Löwen ja nicht aus. Sie geht auf ihn zu, nur eben ohne Waffe. Wer diese Haltung übernimmt, sollte trotzdem deutlich bleiben, weil Freundlichkeit ohne Klarheit leicht als Zustimmung gelesen wird. Der schwierige Teil liegt ohnehin selten in der Beherrschung selbst, sondern in dem Vertrauen, dass Sanftheit hier tatsächlich mehr erreicht als Härte.

Der Löwe darf bleiben

Weder Ausleben noch Unterdrücken führt hier weiter, und beide Wege enden erfahrungsgemäß an derselben Stelle. Was diese Karte vorschlägt, ist ein dritter Umgang: wahrnehmen, benennen, dann entscheiden. Ein Gefühl, das gesehen wurde, verliert einen großen Teil seiner Macht, während ein weggeschobenes Gefühl an anderer Stelle wieder auftaucht, meist ungünstiger. Wut trägt zudem fast immer eine Information mit sich, etwa dass eine Grenze überschritten wurde, und diese Information geht verloren, wenn man das Gefühl nur abstellt. Zu trennen ist dabei zwischen dem Anliegen eines Impulses und der Art, wie er sich zeigen möchte. Das Anliegen darf bleiben, die Ausführung wird verhandelt. Hilfreich ist außerdem, möglichst genau zu benennen, was da eigentlich vorliegt, denn Ärger, Kränkung, Angst und Erschöpfung fühlen sich ähnlich an und verlangen ganz Unterschiedliches. Wer alles Wilde in sich abschaltet, verliert übrigens die Begeisterung gleich mit, weil beide aus derselben Quelle stammen. Wer mit sich selbst verhandeln kann, braucht sich dagegen nicht mehr zu bekämpfen.

Geduld ist Arbeit

Von außen sieht Geduld nach Nichtstun aus, doch die Frau im Bild tut sehr wohl etwas. Vertrauen aufzubauen, dranzubleiben, immer wieder ruhig zu reagieren, kostet mehr Kraft als eine einzige laute Auseinandersetzung. Diese Karte begleitet Themen, die Zeit brauchen: Heilung, schwierige Beziehungen, alte Gewohnheiten. Anstrengend ist dabei vor allem, dass über lange Strecken kein Fortschritt sichtbar wird, obwohl täglich etwas getan wird. Rückschritte gehören ebenfalls dazu und löschen nicht, was vorher erreicht wurde, auch wenn es sich in dem Moment genau so anfühlt. Groß ist deshalb die Versuchung der einmaligen Geste, also des klärenden Gesprächs, das alles auf einen Schlag lösen soll. Solche Gespräche haben ihren Platz, ersetzen aber nie die vielen unauffälligen Wiederholungen davor und danach. Als Maßstab eignen sich hier Monate und nicht Tage, weil die Veränderung erst im größeren Abstand sichtbar wird. Beständigkeit schlägt in dieser Karte jede Intensität.

Mut heißt nicht Angstfreiheit

Die Hände an das Maul eines Löwen zu legen erfordert Mut, aber eine besondere Sorte davon. Er besteht nicht darin, keine Angst zu spüren, sondern darin, trotz Angst ruhig zu bleiben. Ein schwieriges Gespräch, eine Konfrontation, eine Wahrheit, die endlich ausgesprochen werden muss: In solchen Momenten stellt sich fast immer heraus, dass die Vorstellung schlimmer war als die Sache selbst. Vermeidung wirkt kurzfristig entlastend und lässt die Angst langfristig wachsen, weil ihr nie widersprochen wird. Auffällig ist außerdem, dass der Körper sich meist beruhigt, sobald man tatsächlich begonnen hat, denn die Anspannung gehört zum Warten und nicht zur Handlung. Praktisch hilft es, sich nur den ersten Satz zurechtzulegen und den Rest der Situation zu überlassen. Mut ist dabei keine Eigenschaft, die man besitzt oder nicht, sondern etwas, das in einer bestimmten Lage aufgebracht wird. Deshalb lohnt es sich, mit kleinen Gelegenheiten zu üben, statt auf die große Prüfung zu warten. Wer einmal standgehalten hat, verändert sein Verhältnis zur eigenen Angst dauerhaft.

1
8
3
6
5 euro
7
9

Wohlwollen statt Kampf gegen sich selbst

Die Frau sieht den Löwen nicht an wie einen Feind, und dieser Blick verändert die ganze Szene. Härte erzeugt Widerstand, auch gegen sich selbst, während Verständnis ihn auflöst. Weit verbreitet ist die Annahme, strenge Selbstkritik sei nötig, um nicht nachlässig zu werden. Tatsächlich lähmt sie eher, denn Scham führt zum Verstecken, während Verantwortung zum Handeln führt. Ein einfacher Prüfstein ist die Frage, ob man mit einem guten Freund so sprechen würde, wie man gerade mit sich selbst spricht. Wohlwollen bedeutet dabei nicht, die eigenen Ansprüche zu senken, denn die Frau lässt den Löwen ja nicht einfach los. Es verändert nur den Ton, in dem an ihnen gearbeitet wird. Der praktische Gewinn zeigt sich nach Fehlschlägen, weil man deutlich schneller zurückkehrt, wenn nicht erst eine Runde Selbstvorwürfe abgearbeitet werden muss. Milde und Festigkeit schließen sich in dieser Karte nicht aus, sie bedingen einander.

Warum diese Karte einmal die Elf war

Ein historisches Detail erklärt viel an dieser Karte. In älteren Decks, etwa im Tarot de Marseille, trug die Gerechtigkeit die Acht und die Kraft die Elf, bis Arthur Edward Waite die beiden Positionen für sein Deck vertauschte. Begründet wurde das mit astrologischen Zuordnungen, denn die Kraft gehört traditionell zum Löwen, der in der Reihenfolge der Zeichen früher steht. Wichtiger als die Begründung ist jedoch die Wirkung dieser Verschiebung. Die Kraft rückte damit direkt hinter den Wagen, und genau dort ergibt sie Sinn, denn nach dem entschlossenen Aufbruch folgt nicht der nächste Sieg, sondern die Aufgabe, mit sich selbst zurechtzukommen. Wer einmal in Bewegung ist, merkt schnell, dass der eigentliche Widerstand nicht auf der Strecke wartet, sondern mitfährt. Die liegende Acht über ihrem Kopf verbindet sie zusätzlich mit dem Magier und zeigt, dass hier dieselbe Kraft nach innen gewendet wird. Passend ist schließlich auch, was folgt, denn nach der Arbeit an sich selbst kommt mit dem Eremiten der Rückzug, in dem sie verstanden wird. In dieser Reihenfolge liest sich die Kraft weniger als Heldentat und mehr als das, was danach kommt.

Kommentare

bottom of page