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Die Liebenden Tarot Bedeutung umgekehrt

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Botschaften:


  • Disharmonie

  • Fehlende Übereinstimmung

  • Vermiedene Entscheidung

  • Vertrauensbruch

  • Widersprüchliche Werte

  • Versuchung

  • Ungleichgewicht

  • Trennung

  • Falsche Wahl

  • Unentschlossenheit

  • Verlorene Verbindung

  • Selbstverrat

  • Dritte Person

  • Gestörte Verständigung

  • Geteilte Loyalität

Drei Blicke, die sich nicht treffen

Achte auf die Blickrichtungen, denn darin liegt der Schlüssel zu Die Liebenden umgekehrt. Zwei unbekleidete Gestalten stehen voneinander getrennt in offener Landschaft. Über ihnen füllt eine geflügelte Figur mit erhobenen Händen das obere Drittel, überliefert als Raphael, dessen Name Gott heilt bedeutet. Sie sieht nach oben. Er sieht sie an. Der Engel sieht beide. Niemand in diesem Bild schaut dasselbe an, und Die Liebenden umgekehrt löst genau diese Ordnung zuerst auf. Hinter der Frau wächst ein Baum mit Früchten und einer Schlange am Stamm. Hinter dem Mann steht einer mit flammenförmigen Blättern. Dazwischen erhebt sich ein einzelner Berg.
Der Vergleich mit der älteren Fassung ist hier besonders aufschlussreich, weil kaum eine Karte stärker verändert wurde. Im Tarot de Marseille zeigt L'Amoureux drei Menschen: einen jungen Mann zwischen zwei Frauen, darüber einen Amor mit gespanntem Bogen. Das ist unübersehbar eine Wahl zwischen zwei Wegen und keine Liebesszene. Waite ersetzte die Szene durch Adam und Eva und rückte damit den Sündenfall an die Stelle der Entscheidung, ohne den Kern zu ändern. Umgekehrt sinkt der Engel unter die beiden, und die Sicht, die über der Entscheidung stand, liegt nun darunter. Die Sonne folgt ihm. Die Schlange steigt über die Frau. Und der Berg hängt bei Die Liebenden umgekehrt als Hindernis über euren Köpfen, statt ein Ziel zu sein. Achte auf den Berg zwischen den beiden. Er steht aufrecht am Horizont und markiert das, worauf eine gemeinsame Entscheidung zuläuft. Er ist kein Hindernis, sondern ein Ziel, und diese Unterscheidung entscheidet, wie du die ganze Karte liest.

Wenn ihr Verschiedenes wollt

Die häufigste Bedeutung betrifft fehlende Übereinstimmung und nicht fehlende Zuneigung. Dieser Unterschied zählt, weil du sonst auf das Gefühl schließt. Das Gefühl ist gewöhnlich noch da. Verändert hat sich, dass zwei Menschen, die einander wirklich mögen, verschiedene Leben wollen. Dagegen hilft Zuneigung allein nicht.
Sichtbar wird das an gewöhnlichen Stellen. Wo ihr lebt. Ob Kinder kommen. Wie viel Raum die Arbeit bekommt. Wofür Geld da ist. Das sind keine Vorlieben, sondern Werte, und Werte verhandeln anders. Diese Karte beschreibt außerdem den Schaden des Vermeidens. Ihr könnt einen Unterschied jahrelang tragen, indem ihr ihn nie benennt. Die Belastung erscheint dann nicht als Streit, sondern als Abstand. Du bemerkst weniger Auseinandersetzungen statt mehr und ein wachsendes Gefühl, dass bestimmte Räume der Beziehung geschlossen wurden. Hilfreich ist an dieser Stelle kein Gespräch über Gefühle, sondern ein nüchterner Austausch über Tatsachen. Sag, was du in fünf Jahren tatsächlich willst, und stell dieselbe Frage zurück. Diese Karte ist erheblich weniger schmerzhaft, wenn der Unterschied auf dem Tisch liegt, selbst wenn er sich als real erweist. Es gibt dafür eine unbequeme Probe. Beschreibt jeder von euch getrennt einen gewöhnlichen Dienstag in fünf Jahren, und vergleicht die beiden Beschreibungen anschließend. Nicht Ziele, nicht Werte, sondern einen Tag. Unterschiede in Werten verstecken sich gut in abstrakten Gesprächen und treten in einem beschriebenen Dienstag sofort hervor. Und achte darauf, ob du deine eigene Antwort schon kennst. Die meisten kennen sie und warten darauf, dass der andere sie ausspricht, damit sie selbst nicht die Person sein müssen, die es gesagt hat. Genau dieses Warten dehnt eine Klärung über Jahre und verteilt die Kosten auf euch beide.

Die Wahl gegen dich selbst

Die zweite Seite hat mit Beziehungen nichts zu tun, und deshalb wird sie übersehen. Diese Karte war immer eine Karte der Entscheidung, was die Marseiller Fassung mit ihren zwei Frauen unmissverständlich zeigt. Umgekehrt beschreibt sie eine Wahl, die gegen deine eigenen Werte fiel. Du wusstest, was zählt. Entschieden hast du anders, aus damals vollkommen vertretbaren Gründen: Geld, Sicherheit, die Enttäuschung eines anderen, die Angst vor Lächerlichkeit. Die Entscheidung war vernünftig und hat etwas gekostet, das in keiner Rechnung auftaucht. Deshalb reagiert das Unbehagen nicht auf Zuspruch.
Häufiger noch ist die Fassung, in der überhaupt nicht entschieden wurde. Zwei Möglichkeiten bleiben offen, was als Bewahren von Chancen gilt, und der Aufschub ist längst selbst die Entscheidung geworden. Genau dafür steht der Engel über den Figuren. Jemand muss nach oben sehen. Statt die Optionen miteinander zu vergleichen, was ergebnislos bleibt, miss sie an etwas Festem. Eine brauchbare Frage lautet, welche Wahl du in zehn Jahren ohne Zusammenzucken erklären könntest. Sie löst Lagen, an denen monatelanges Abwägen scheiterte, weil sie aufhört, die Möglichkeiten zu messen, und beginnt, dich zu messen. Beachte zusätzlich, was der Aufschub kostet. Eine offene Entscheidung verbraucht keinen sichtbaren Aufwand und dennoch einen erheblichen. Sie hält einen Teil deiner Aufmerksamkeit dauerhaft in Bereitschaft, und dieser Teil fehlt dir überall sonst, ohne dass du ihn vermisst, weil du dich an seine Abwesenheit gewöhnt hast. Prüf zusätzlich, was du dir selbst über diesen Aufschub erzählst. Nennst du ihn Geduld, nennst du ihn Rücksicht, oder nennst du ihn Nachdenken? Alle drei Wörter beschreiben etwas Wertvolles, und alle drei eignen sich hervorragend als Namen für etwas, das du gerade nicht tun willst.

Sechs, Zain und das trennende Schwert

Die Sechs stellt her, was die Fünf gestört hat. Sie ist zugleich die erste vollkommene Zahl der Mathematik, gleich der Summe ihrer eigenen Teiler, weshalb ältere Überlieferungen sie als Zeichen des Gleichgewichts führten. Die Numerologie gibt ihr Verantwortung, Fürsorge und Partnerschaft. Menschen mit starker Sechs bemerken, wenn eine Gruppe aus dem Lot gerät, und gleichen still aus.
Umgekehrt richtet sich der ausgleichende Trieb gegen dich. Als Schatten gelten Selbstaufgabe und Friedenstiften, das mehr kostet, als der Frieden wert ist. Du löst jede Uneinigkeit durch Nachgeben und verstehst nicht, warum sich trotzdem Groll aufbaut. Ein Gleichgewicht, das nur einer hält, ist keines. Es ist eine Schräglage. Der zugehörige hebräische Buchstabe ist Zain, und sein Name bedeutet Schwert. Der Pfad verläuft zwischen Binah und Tiferet. Ein Schwert trennt, und dass ausgerechnet Die Liebenden dieses Zeichen tragen, ist die deutlichste Auskunft über ihren Gegenstand: Jede Wahl schneidet etwas ab. Entscheidest du dich für einen Weg, beendest du den anderen.

Zwillinge statt Venus

Zugeordnet sind die Zwillinge und das Element Luft. Das überrascht fast alle, weil die Bildsprache nach Venus aussieht und der Name Romantik verspricht. Die Zwillinge stehen für Zweiheit, für das Halten von zwei Dingen zugleich, und ihr Herrscher ist Merkur, der Planet des Denkens und der Verständigung. Damit verschiebt sich die ganze Karte. Es geht nicht in erster Linie um Gefühl, sondern um das Wählen und um das Gespräch, in dem sich herausstellt, ob ihr tatsächlich übereinstimmt.
Luft ist das Element, das verbindet statt einzuschließen. Deshalb hängt die aufrechte Karte davon ab, dass Dinge ausgesprochen werden können. Diese Zuordnung erklärt außerdem, warum ein Paar unter dieser Karte selten an einem Ereignis scheitert. Umgekehrt steht die Luft still, und der Schaden entsteht nicht durch dramatischen Verrat, sondern durch ein Gespräch, das immer wieder nicht stattfindet. Annahmen verhärten sich zu Tatsachen, weil niemand nachgefragt hat. Ihr baut getrennte Darstellungen derselben Beziehung, ohne sie je zu vergleichen. Das erklärt auch, warum Paare unter dieser Karte selten an einem Ereignis scheitern. Es gibt keinen Vorfall, auf den sich zeigen ließe. Es gibt eine Reihe von Gesprächen, die nicht geführt wurden, und ihre Summe wirkt am Ende wie ein Ereignis, obwohl nie eines stattgefunden hat. Beachte auch, dass Merkur die Zwillinge beherrscht. Damit steht diese Karte demselben Planeten nahe wie der Magier, und das erklärt eine Beobachtung aus der Praxis: Beziehungsprobleme unter Die Liebenden umgekehrt lassen sich häufiger durch eine Klärung des Wortlauts lösen als durch eine Klärung der Gefühle.

Wenn Merkur zwei Fassungen pflegt

Die Zwillinge halten zwei Dinge gleichzeitig, und ihr Schatten ist Verdopplung statt Betrug. Umgekehrt entstehen zwei Fassungen derselben Lage, gepflegt für zwei verschiedene Zuhörerschaften, ohne dass sich das nach Unehrlichkeit anfühlt. Bemerkst du das an dir, lies es weniger moralisch als diagnostisch. Diese Spaltung ist die eigentliche Signatur der umgekehrten Karte.
Merkur beherrscht das Zeichen und steuert bei, dass Gespräche eine Sache nicht klären, sondern vermehren. Jede Aussprache erzeugt weiteres Material statt einer Entscheidung. Die Luft zirkuliert, ohne zu landen. Die Korrektur ist merkurisch und nicht emotional, und genau das wird hier regelmäßig verwechselt. Verlangt ist kein tieferes Gespräch über Gefühle, sondern ein schlichter Satz, einmal gesagt, an die betroffene Person. Und zwar ohne Vorbereitung eines ganzen Abends, denn Vorbereitung ist unter dieser Karte bereits Teil des Ausweichens. Achte darauf, wem du welche Fassung erzählst. Führ das eine Woche lang mit, ohne dich zu bewerten. Die meisten stellen fest, dass die Aufteilung nicht zufällig ist: Eine Fassung geht an die Menschen, deren Zustimmung du brauchst, die andere an die, deren Widerspruch du aushältst. Und achte auf ein zweites Zeichen. Erzählst du beiden Fassungen dieselbe Zukunft oder zwei verschiedene? Zwei verschiedene Zukünfte für zwei verschiedene Zuhörerschaften sind die deutlichste Form dieser Umkehrung, und sie fällt dir selbst kaum auf, weil du beide Male aufrichtig bist.

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Die beiden Bäume hinter euch

Die Bäume schließen diese Karte auf, und die meisten überlesen sie. Hinter der Frau steht ein Fruchtbaum mit einer Schlange am Stamm. Hinter dem Mann steht ein Baum aus Flammen. Der Fruchtbaum ist das Wissen, und Wissen kommt in dieser Überlieferung stets mit einem Preis. Die Schlange ist dabei nichts Böses. Sie ist das, was Wahl überhaupt möglich macht, denn wer nicht wissen kann, wählt auch nicht. Der Flammenbaum ist das Verlangen, das die Kraft zum Handeln liefert, und seine Blätter sind als Feuerzungen gezeichnet, nicht als Blüten.
Dass beide getrennt hinter je einer Figur stehen, sagt etwas Genaues. Wissen und Wollen sind verschiedene Vermögen, und eine echte Entscheidung braucht beide. Umgekehrt arbeitet meist nur eines. Läuft dein Verlangen allein, entstehen Entscheidungen aus reiner Intensität, die du anschließend mit rückwärts zusammengesuchten Gründen verteidigst. Läuft dein Wissen allein, entsteht ein auf dem Papier tadelloses Leben, das niemand darin haben will. Beides sieht nach Entscheidung aus und ist unvollständig. Der Engel darüber hatte die Aufgabe, die zwei in Beziehung zu halten, und umgekehrt ist er unter das Bild gefallen. Frag deshalb vor jeder Festlegung beide Bäume ab: Was weiß ich darüber, und was will ich davon? Zeigen die Antworten in verschiedene Richtungen, hast du die eigentliche Frage gefunden. Prüf das an einer konkreten Entscheidung, die gerade ansteht. Schreib in zwei Zeilen auf, was du darüber weißt und was du davon willst. Zeigen beide Zeilen in dieselbe Richtung, ist die Sache entschieden und du weißt es nur noch nicht. Zeigen sie auseinander, hast du deine eigentliche Frage gefunden.

Sag es einmal, klar

Benenne zuerst, welche Fassung vorliegt. Geht es um eine Beziehung, besteht deine Aufgabe im Offenlegen und nicht im Reparieren, denn ein unausgesprochener Unterschied lässt sich nicht lösen. Sag klar, was du in fünf Jahren willst. Stell dieselbe Frage zurück. Mildere keine der beiden Antworten ab. Ein Teil des Gesagten wird unangenehm sein und ist trotzdem besser als die Alternative, nämlich zwei weitere Jahre eines Abstands, den niemand erklären kann.
Geht es um eine aufgeschobene Entscheidung, hilft ein Datum. Diese Karte verbessert sich nicht durch weitere Prüfung, sondern in dem Moment, in dem etwas unumkehrbar wird. Das entspricht dem Buchstaben Zain: Es wird geschnitten. Hast du bereits gegen deine Werte entschieden, ist die Arbeit langsamer. Ungeschehen machen lässt sich nichts, und die Entscheidung nachträglich für richtig zu erklären beruhigt ebenfalls nichts. Du kannst den Preis einmal laut benennen, gegenüber einer Person, der du vertraust. Diese Position hält sich vor allem durch Schweigen. Danach zählt, was dir heute zur Verfügung steht, und nicht, was dir damals zur Verfügung stand. Und rechne mit einer Zwischenzeit. Nach einer Offenlegung wird es meist zuerst unangenehmer und nicht besser, weil beide Seiten neu einschätzen müssen, wo sie stehen. Diese Phase dauert Wochen und nicht Tage, und wer sie für das Ergebnis hält, bricht genau dann ab, wenn die Sache anfängt, sich zu klären. Und trenn das Gespräch vom Ergebnis. Du kannst offenlegen, ohne dass sich daraus sofort eine Entscheidung ergibt, und diese Trennung nimmt der Sache den größten Teil ihres Schreckens. Was diese Karte verlangt, ist nicht, dass du dich entscheidest. Sie verlangt, dass die Frage im Raum steht, wo beide sie sehen können.

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